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06.12.09 20:00 Alter: 1260126000

So06.12 Friedrich von Thun liest: Weihnachten bei den Buddenbrooks

Kategorie: Ballsaal, Highlight

 

von Thomas Mann 1875-1955

Klavier: Richard van Schoor, Friedrich von Thun: Rezitation
Info: Kulturbetrieb der Stadt Aachen, 0241 432-49 20

 

Thomas Manns im Jahre 1945, anläßlich seines 70. Geburtstags im amerikanischen Exil an das deutsche Volk gerichtet, spannt den Bogen zum Thema des Abends: Weihnachten, das Fest der Geburt Christi.
In den Kapiteln 7 und 8 des 8. Teils seiner „Buddenbrooks“ schildert Mann dieses „Gnadenfest“ der Christenheit im Hause des in Dekadenz, Lebensunfähigkeit und Bedeutungslosigkeit fallenden hanseatischen Geschlechts.
Bis heute ist sich die Literaturkritik einig: Dieses Werk hat als Milieuschilderung und Darstellung einer konkret erscheinenden Wirklichkeit kaum ein vergleichbares Pendant in der deutschen Literatur.
„Die Buddenbrooks – Verfall einer Familie“ erschien 1901 und brachte dem damals erst 26-jährigen Autor dafür im Jahre 1929 den Literatur-Nobelpreis ein.
Die Geschichte beginnt am geschäftlichen und gesellschaftlichen Höhepunkt einer Lübecker Kaufmannsfamilie und endet mit deren Untergang.
Sicher schockiert gerade in unserer Zeit viele der unglaubliche Umfang des Werkes. Man kann deshalb nicht unbedingt voraussetzen, dass allgemein bekannt ist, in welchem Zusammenhang die ausgewählten Kapitel zum Weihnachtsfest im Roman stehen. Die Geschichte der Familie Buddenbrook erstreckt sich in Manns Roman über einen Zeitraum von 42 Jahren, beginnend im Jahre 1835. Im 8. Teil seines Werks schildert Mann das letzte Weihnachtsfest, das 1870 im Buddenbrookhaus in der Lübecker Mengstraße gefeiert wird - zu einem Zeitpunkt also, da der Verfall und Niedergang des hanseatischen Kaufmannsgeschlechts bereits weit fortgeschritten ist.
Noch heute gehört das Anwesen in der Mengstraße 4 in Lübeck mit seiner schneeweißen Barockfassade zu den markantesten Gebäuden Lübecks und Haupt-Touristenattraktionen, wenn auch die Lübecker selbst zunächst von dem Roman wenig begeistert waren. Mancher gut betuchte Bürgersohn fühlte sich durch den Kakao gezogen; in der Stadt kursierten Listen, wer denn wohl die realen Vorbilder für die charakterisierten Romanfiguren seien. Thomas Mann, der sich längst nach München abgesetzt hatte, galt damals in der Hansestadt als Nestbeschmutzer.
Heute sehen die Lübecker das entspannter. Immerhin gehört die Lübecker Altstadt seit 1987 zum Weltkulturerbe. Neben Holstentor und Marzipan sind die „Buddenbrooks“ zu einem Aushängeschild geworden.
Obwohl Mann nie selbst darin gewohnt hat, schreibt er 1942, im Exil, über das Buddenbrookhaus: „Das alte Bürgerhaus war mir das Symbol der Überlieferung, aus der ich stamme.“ Heute beherbergt das Anwesen in der Mengstraße 4 das Heinrich- und Thomas-Mann-Zentrum. Deshalb war das Buddenbrookhaus auch Bestandteil der EXPO 2000 in Hannover. Es realisierte das einzige weltweite Literatur-Projekt der Schau.
„Weihnachten bei den Buddenbrooks“ zeigt zwar nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Gesamtwerk, aber das literarische Feingefühl, der Intellekt und der philosophische Scharfsinn des Autors kommen in diesen beiden Kapiteln ebenso zum Vorschein wie die Bilder des Lübecker Anwesens in der Mengstraße 4. ☰
Friedrich von Thun stammt aus Mähren und studierte zunächst in München Theaterwissenschaft und Germanistik. Nebenher nahm er privaten Schauspielunterricht. Sein erstes Engagement hatte er 1962 an den Münchner Kammerspielen. Seine erste Filmrolle als Förster gab ihm Helmut Käutner 1964 in den „Lausbubengeschichten“ nach Ludwig Thoma.

Neben seiner umfangreichen Film- und Theaterarbeit begann von Thun auch selbst Kurzfilme, später Dokumentar- und Reisefilme in aller Welt für den BR, WDR und das ZDF zu drehen und sich nicht zuletzt mit seiner 45-teiligen Doku-Serie „Auf rotweißroten Spuren“ über österreichische Aussteiger und Abenteurer einen Namen zu machen.
Besondere Anerkennung als Schauspieler fand er, als er 1984 die Hauptrolle des Beamten Leonidas in Axel Cortis Fernsehfilm „Eine blaßblaue Frauenschrift“ verkörperte und damit den Prix Italia und Großen Preis auf dem Fernsehfestival in Monte Carlo gewann. 1988 war Friedrich von Thun in der Erfolgsserie „Das Erbe der Guldenburgs“ zu sehen und avancierte seitdem in zahlreichen Produktionen zu einem der beliebtesten Darsteller.
Internationale Filme drehte er u. a. 1991 unter der Regie von George Lucas „The Young Indiana Jones Chronicles“, 1992 unter Jack Gold „Der Fall Lucona“, 1993 mit Steven Spielberg den Weltkinohit „Schindlers Liste“ und zuletzt 2001 Costa-Gavras internationalen Kinofilm „Der Stellvertreter“ sowie 2003 den internationalen TV-Zweiteiler „Hitler – The Rise Of Evil“ unter der Regie von Christian Duguay.
Für die TV-Reihe mit Senta Berger „Dr. Schwarz und Dr. Martin“, die Xaver Schwarzenberger und Bernd Fischerauer von 1993 bis 1995 drehten, bekam er den Publikumspreis „Das Goldene Kabel“ und 1999 erhielt er für seine Arbeit in der Reihe „Liebe und weitere Katastrophen“ mit Senta Berger den Bambi.
Als gewitzter Kriminalist löste Friedrich von Thun von 1997 bis 2004 erfolgreich die kniffligsten Fälle in der Fernsehreihe „Die Verbrechen des Professor Capellari“.
Es folgten u. a. die Fernsehfilme „Kalter Frühling“ von Dominik Graf und „Männer im gefährlichen Alter“ von Hajo Gies mit Fritz Wepper sowie die ARD-Komödie „Mein süßes Geheimnis“, in der er einen leidenschaftlichen italienischen Tortenbäcker spielte (Regie: Xaver Schwarzenberger).
2005 drehte er u. a. den Fernsehfilm „Tod eines Keilers“ nach dem gleichnamigen schweizerischen Kriminalroman (Regie: Urs Egger), den Zweiteiler „Helen, Fred und Ted“ (Regie: Sherry Hormann) sowie „Entscheidung“ (Regie: Nikolaus Leytner). 2006 folgten „Der falsche Tod“ (Regie: Martin Eigler). Dafür gab es eine Nominierung als bester Schauspieler für den Deutschen Fernsehpreis. Es folgten der mehrteilige Thriller „Zodiac“ (Regie Andreas Prohaska) und „Zeit zu leben“ von Matti Geschonnek.
2007 wurde Friedrich von Thun mit dem Bayerischen Fernsehpreis als bester Schauspieler geehrt.
2008 entstand eine neue Reihe im ZDF: „Dell & Richthofen“, in der Friedrich von Thun, als Staatsanwalt im Ruhestand, die Ganoven, die er in seiner aktiven Zeit nicht überführen konnte, mit Hilfe eines Trickbetrügers (Christoph Orth) zur Strecke bringt und so der Gerechtigkeit nachhilft … ☰
Richard van Schoor, einer der herausragendsten Pianisten Südafrikas, debütierte bereits während seiner Studienzeit mit dem Cape Town Symphonie 0rchester und Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert. An der Universität von Kapstadt, wo er seine Studien unter Professor Laura Searle fortsetzte, schloss er mit dem akademischen Grad eines „Bachelor of Music“ ab. 1998 promovierte er zum „Master of Music“, u. a. mit einer publizierten Dissertation über Alte Musik und den Basso continuo. Er ist außerdem Inhaber eines Lizentiats sowie eines „Fellowship“ des Trinity College of Music in London.
Während seiner Studienzeit erhielt Richard van Schoor viele Auszeichnungen, Preise bei Klavierwettbewerben und Stipendien, u. a. das Ernest-Oppenheimer-Stipendium für ein Auslandsstudium, woraufhin er seine Ausbildung von 1988 bis 1991 in Florenz bei Orazio Frugoni fortsetzte. So wirkte er auch bei den Sommerfestspielen in Florenz und Arezzo mit und nahm Klavierkonzerte und Soloklavierabende für den italienischen und südafrikanischen Rundfunk auf.
Von 1991 bis 1996 hatte Richard van Schoor seinen Wohnsitz in der Schweiz, wo er seine künstlerische Arbeit bei Esther Yellin am Heinrich-Neuhaus-Institut in Zürich fortsetzte. 1993 spielte er das Klavierkonzert von Alfred Schnittke in Anwesenheit des Komponisten mit dem Luzerner Symphonieorchester als Beitrag zu den internationalen Musikfestwochen Luzern. Die Presse feierte seine Interpretation als „hervorragend, voller Dynamik und Einfühlungsvermögen“ (Neue Züricher Zeitung) und äußerte sich ähnlich enthusiastisch über seine Darbietung von Klavierkonzerten von Bach, Mozart, Haydn, Beethoven, Chopin, Mendelssohn, Brahms, Franck, Prokofjew, Grieg, Martin, Gershwin und Rachmaninoff. Richard van Schoor ist in Deutschland u. a. in der Musikhalle Hamburg, der Alten Oper Frankfurt, der Tonhalle Düsseldorf, dem Prinzregententheater München und der Philharmonie am Gasteig München aufgetreten sowie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, Herrenchiemsee, Wieck am Darß, Plassenburg, Rheingau und den Elblandfestspielen Wittenberge.
Außer regelmäßigen Auftritten als Kammermusiker und Liedbegleiter gestaltete Richard van Schoor auch musikalisch-literarische Abende zusammen mit namhaften Schauspielerinnen wie Senta Berger, Hanna Schygulla und Christine Neubauer sowie mit Thomas Holtzmann und Friedrich von Thun.
Als Komponist hat Richard van Schoor Werke für Kammerorchester, symphonische Werke, Werke für Vokalensembles, Klaviertrios, Lieder und Werke für Solo-Instrumente geschrieben. Drei Werke für Orgel, Violine und Violoncello wurden im Rahmen einer Sendung des Bayerischen Fernsehens 2003 uraufgeführt. Teile seines symphonischen Werkes „Christmas Symphonia“ für Orchester, Chor und Solisten wurden 2003 auf CD aufgenommen, die Uraufführung des gesamten Werkes fand im Dezember 2004 in der Heilig-Geist-Kirche, München, statt. Zu seinen neuesten Kompositionen gehören eine Vaterunser-Vertonung für elf Stimmen, eine Messe mit Texten von Dietrich Bonhoeffer für Streichorchester, Chor und Tenor als Auftragskomposition von „The St. Paul‘s Trust“, London, zum Gedenken an Bonhoeffers 100. Geburtstag (UA in London am 5.2.2006) sowie ein Konzert für Orchester und Klarinette, das 2007 fertig gestellt wurde.