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Wort trifft Musik: „Erinnerungen an Gershwin“

05.07.2015, 20:00 Uhr

American Dream
Erinnerungen an George Gershwin – den Musiker, der seiner Zeit voraus war

Szenische Rezitation: Katja Riemann
Klavier und Idee: Sebastian Knauer
Text: Wolfgang Knauer

Washington am 28. August 1963: Wie Millionen Amerikaner
verfolgt George Gershwins Schwester Frances im Radio die Rede,
die Martin Luther King auf der Massenkundgebung der
Bürgerrechtsbewegung vor dem Lincoln Memorial hält und die in
den berühmt gewordenen Worten „I have a dream“ gipfelt. Der
beschwörende Appell des Pfarrers aus Georgia, endlich auch
seinen schwarzen Brüdern den gerechten Anteil am
amerikanischen Traum von Freiheit und Gleichheit zuzugestehen,
lässt sie an die Geschichte ihrer eigenen Familie zurückdenken:
Ihre Eltern, die russischen Juden Moshe und Rosa Gershowitz,
waren Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert,
weil sie darauf vertrauten, dass dort jeder unabhängig von
Herkunft, Hautfarbe und Religion die Chance erhalten würde,
durch harte Arbeit sein Glück zu machen. Für sie und vor allem für
ihren Sohn George sollte der amerikanische Traum auf beinahe
märchenhafte Weise in Erfüllung gehen. Auch im Sommer 1963 ist
der jung gestorbene Gershwin immer noch einer der populärsten
amerikanischen Komponisten, dessen Songs und Musicals
ebenso allgegenwärtig sind wie seine Werke für den Konzertsaal
und seine Oper „Porgy and Bess“.

Unter dem Eindruck von Martin Luther Kings Rede lässt Frances den kometengleichen Aufstieg ihres Bruders vom rauflustigen Straßenjungen von der New Yorker Eastside zum gefeierten Broadway-Star Revue passieren und erinnert sich an seinen Siegeszug durch die europäischen Musikzentren London, Paris und Wien, der wenig später durch die Machtübernahme der Nazis in Deutschland und Hitlers Eroberungsfeldzüge jäh unterbrochen wurde.

Die vom Jazz beeinflusste Musik des Juden Gershwin galt im Nazi-Deutschland als „entartet“ und war verboten. Als 1943 im deutsch besetzten Kopenhagen „Porgy and Bess“, von der Nazi-Propaganda als „Negeroper mit Urwaldgeschrei“ bezeichnet, als europäische Erstaufführung auf den Spielplan gesetzt wurde, drohten die braunen Eroberer mit der Sprengung des Opernhauses.

Erst nach dem Krieg gab es eine Gershwin-Renaissance in Europa, sowohl für seine populären Songs und Musicalmelodien, als auch die für den Konzertsaal bestimmten Stücke wie die „Rhapsody in Blue“. Gleiches gilt für seine 1935 entstandene „Volksoper“ über die Lebenswelt der Schwarzen, die auch bei vielen von der Rassendiskriminierung geprägten Amerikanern anfangs auf Unverständnis gestoßen war. Verübelt wurde Gershwin zudem, dass er auf einer Besetzung ausschließlich mit schwarzen Sängern bestand, was beispielsweise für die New Yorker Metropolitan Opera nicht in Frage kam. Andere Häuser akzeptierten die Bedingung des Komponisten und ermöglichten so eine kleine Revolution: Zum ersten Mal wurden in amerikanischen Theatern die Rassenschranken nicht nur hinter den Kulissen aufgehoben, sondern auch im Zuschauerraum.

Die von Frances anhand authentischer Zeugnissen von Freunden und Weggefährten nacherzählte Lebensgeschichte des
Komponisten wird musikalisch auf dem Instrument begleitet, mit dem der Komponist seit seinem zehnten Lebensjahr geradezu verwachsen war, dem Klavier. Zu hören sind u.a. sein „Songbook“, die „Preludes“ und die Soloklavier-Fassung der „Rhapsody in Blue“.

Kosten

Eintritt

VVK: 29 € / 25 € (ermäßigt)
AK: 33,50 € / 29,50 € (ermäßigt)

zzgl. VVK-Gebühren

Nummerierte Platzkarten, keine freie Platzwahl

Info

Adresse

Ballsaal im Alten Kurhaus
Komphausbadstr.19
52062 Aachen

VVK-Stellen

Veranstalter

Kulturbetrieb der Stadt Aachen